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Kurzbericht „Heimatversprechen“

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Projektlaufzeit: Dezember 2022 – November 2025 
Träger: Ringgemeinschaft Bayern e.V. 
Projektleiter: Martin Heudecker  

 

Das Projekt „Heimatversprechen“ hat die bayerische Schweinebranche in einer sehr herausfordernden Marktphase begleitet, gestärkt und verändert. Während der Qualitäts- und Regionalitätsmarkt in der Corona-Zeit noch einmal Höchstwerte erreichte, führte die Ukrainekrise und die folgende wirtschaftliche Abschwächung zu einem starken Preisdruck und einem deutlichen Wandel hin zum reinen Preiskampf – eine Entwicklung, die enorme Anpassungsfähigkeit erforderte und große Errungenschaften erschwerte. 

Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen und zusätzlicher Belastungen – insbesondere durch die Unsicherheiten rund um das Schlachthof Landshut und den Vion-Rückzug – ist es gelungen, das Netzwerk entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltig zu verändern und zu vertiefen. Es entstand ein echtes gegenseitiges Verständnis: Die Akteure haben klar erkannt, wie Herausforderungen am Anfang der Kette unmittelbar Auswirkungen bis zum Ende haben – und dass diese Probleme nur gemeinsam sinnvoll gelöst werden können. Ein anschauliches Beispiel war der zeitweise massive Marktdruck durch zu fette, fleischärmere Tiere aus außerbayerischen Genetiken, der durch abgestimmtes Handeln spürbar entschärft werden konnte. 

 

Das zentrale Ergebnis: Ein neues „vom Kunden her denken“ und eine deutlich stärkere vertikale Vernetzung statt fragmentierter Einzelperspektiven. Auf Basis des Siegels „Geprüfte Qualität Bayern“ (GQB) wurden in vier Handlungsfeldern konkrete, sofort einsetzbare Werkzeuge und Lösungen entwickelt: 

 

Kommunikation: 

Professionelles digitales und analoges Erscheinungsbild (Corporate Design, Homepage, Bild- und Formsprache), intensive interne Vernetzung (Newsletter, Versammlungen, Freitagsvorträge) sowie datenbasierte, praxisnahe Lösungen haben Vertrauen und eine starke gemeinsame Identität geschaffen. 

 

Markt: 
Die neu entwickelte Marktplattform (MPF) im Rahmen des VEF ermöglicht es Erzeugergemeinschaften, mengenstarke und attraktive Angebote gemeinsam gegenüber Großkunden zu verhandeln. Der Pilot mit Tegut hat die Machbarkeit hochspezialisierter Segmente bewiesen. Die Conjoint-Studie belegt eine klare Zahlungsbereitschaft der Kunden für mehr Transparenz und Qualität. Parallel wurde die gesamte Kette – insbesondere in den kritischen Phasen rund um Landshut und die GQ-Situation im Herbst 2024 – aktiv begleitet und stabilisiert. 

 

Produktion: 
Der Fütterungsversuch Schwarzenau hat handfeste Daten zu höherer Ressourceneffizienz und echter Kreislaufwirtschaft geliefert – eine wertvolle Grundlage für glaubwürdige Nachhaltigkeitsargumente. Die elektronische Einzeltierkennzeichnung (eOM) wurde vollständig praxistauglich entwickelt, in den automatisierten Datenfluss am Schlachthof Landshut integriert und steht nun auch anderen Betrieben offen. Die Abstimmung der Schlachtschweinequalität entlang der Kette wurde spürbar verbessert. 

 

Daten: 
Das Prognosetool Mast ist fest im Anlieferungsmanagement (ALM) des Fleischprüfrings/Qualifood verankert und liefert erstmals tagesgenaue 4-Monats-Prognosen – ein entscheidender Schritt hin zu echter Planungssicherheit von der Ferkelerzeugung bis zum Schlachthof. Der Sauenplaner (Intelicon/SPonWeb) wird ab 2027 vom LKV flächendeckend für alle Mitglieder eingeführt. Grundprinzipien eines fairen, gegenseitig vorteilhaften Datenaustauschs wurden erarbeitet. 

 

Ausblick: „Heimatversprechen – Pulled Pork“ 
„Heimatversprechen“ hat weit mehr erreicht als ursprünglich geplant: einsatzbereite digitale und organisatorische Werkzeuge, deutlich gestärktes Vertrauen und eine neue Denkweise entlang der gesamten Kette. Genau diese solide Basis macht das Folgeprojekt „Heimatversprechen – Pulled Pork“ möglich und sinnvoll. 

Das Anlieferungsmanagement (ALM) mit seinem Prognosetool hat bereits einen bedeutenden Schritt in Richtung verlässlicherer Partnerschaft mit den Abnehmern ermöglicht. „Pulled Pork“ trägt diese Entwicklung konsequent weiter:  

 

Ziel ist es, das Anlieferungsmanagement über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg mit Beispielbetrieben vollständig zu digitalisieren und – soweit machbar – über transparente Leistungs-Gegenleistungs-Mechanismen (Incentives) eine bedarfsorientierte Mengen- und Qualitätssteuerung zu erproben.  

Gelingt dies, stehen der Branche plötzlich viele weitere Ergebnisse aus „Heimatversprechen“ in einem neuen, wirkungsvollen Zusammenhang zur Verfügung und können viel schneller und breiter implementiert werden: 

  • Die Conjoint-Analyse kann gezielt in der Kommunikation eingesetzt werden, weil Kunden nachweislich für mehr Transparenz und Information bereit sind, mehr zu bezahlen. 

  • Die Erkenntnisse aus dem Fütterungsversuch und der Kreislaufwirtschaft lassen sich nutzen, weil genau planbar wird, welche Mengen zu welchem Zeitpunkt in welcher Qualität benötigt werden. 

  • Nachhaltigkeitsargumente (HEF, COâ‚‚-Bilanz, DIAAS-Werte etc.) gewinnen an Schlagkraft, weil sie datenbasiert und nachvollziehbar in die Kette eingebunden sind. 

  • Die elektronische Ohrmarke (eOM) und der geschlossene Datenfluss vom Sauenplaner bis zur Schlachtung entfalten ihr volles Potenzial. 

„Pulled Pork“ wechselt damit vom klassischen Push- zum echten Pull-System: weg vom „was produziert wird, muss verkauft werden“ hin zu einer bedarfsorientierten, datengetriebenen Steuerung – mit dem Landwirt im Zentrum. Das Projekt wird zeigen, ob und wie eine freiwillige, kleinstrukturierte, familiengeführte Schweinehaltung in Bayern krisenfest, zukunftsfähig und wirtschaftlich attraktiv gestaltet werden kann. 

 

Fazit 
„Heimatversprechen“ hat unter großem Druck sehr viel bewegt: funktionierende Werkzeuge, echtes Vertrauen und eine neue gemeinsame Perspektive. Die bayerische Schweinebranche steht heute besser da als vor drei Jahren – und ist bereit für den nächsten, entscheidenden Schritt. 

VISION

 
HEIMATVERSPRECHEN Gemeinschaft. Zukunft. Sicherheit
 
Unsere Vision

Nachhaltige Sicherheit und Wertschätzung für die bayerische Schweinebranche, Handel und Gesellschaft.

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Unter dem Dach Heimatversprechen sind alle organisierten Akteure der bayerischen Schweinebranche mit dem Landwirt im Mittelpunkt vereint, um mehr Wertschätzung, Wertschöpfung und Sicherheit zu erreichen.

 

  • Landwirt: der bayerische Landwirt steht im Zentrum unseres Handelns. Die bayerische Schweinebranche ist eine starke Gemeinschaft, die Hand in Hand arbeitet – für mehr Wertschöpfung, Wertschätzung und Sicherheit für die Landwirte.

  • Organisationen / Wertschöpfungskettenmanagement: Eine ganze Branche, die mit einer Stimme spricht – Für mehr Wertschöpfung, Wertschätzung und Sicherheit für alle Stufen der Erzeugung.

  • Handel / Marktplattform: Mit den gebündelten Kräften der gesamten Schweinebranche ist Heimatversprechen die Schnittstelle für Qualität, Wertschöpfung und Wertschätzung für alle – vom Ferkelerzeuger bis zum Handel, vom einzelnen Verbraucher bis zu einer verantwortungsbewussten Gesellschaft.

  • Gesellschaft / Gesellschafts-und Zukunftsworkshops: nachhaltige Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln auch in Krisenzeiten

Die 4 wichtigsten Haupthandlungsfelder unseres Heimatversprechens

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